Webfonts unter der Lupe
Ich habe vor kurzem einen interessanten Gastartikel im Designtagebuch gelesen, wo die Lesegeschwindigkeit häufig verwendeter Schriftarten am Bildschirm, in einem Experiment mit 3000 Teilnehmern dokumentiert wurde.
Noch interessanter als die Erkenntnisse zur nur marginal unterschiedlichen Lesegeschwindigkeit, waren Aussagen der Teilnehmer darüber, zu welchen Themenfeldern und Wirkungen welche Fonts am Besten passen.
Trotz der eigentlich zu geringen Unterschiede möchte ich die “Speedfonts” in den am schnellsten erfassbaren Größen hier mal festhalten: Arial & Verdana (13px), Candara (15px), Trebuchet (15px), Cambria (16px).
Ich weiß nicht, ob man daraus ableiten sollte, dass Serifenschriften eher etwas größer gewählt werden sollten. Zumindest entspricht das der mehrheitlichen Verwendung und der groben Rasterung in Pixel am Monitor.
Bedenken sollte man, dass man an bestimme Schriftarten im Web besonders gewöhnt ist, was mit Blick auf den Menschen als Gewohnheitstier vermutlich begründet, dass Arial und Verdana durch alle Schriftgrößen hindurch gut abschnitten. Auch habe ich die Erfahrung gemacht, dass ich lange Artikel besser in einer kleinen Groteske überfliegen kann, als in Serif. Da das Web eher zum Jagen und Sammeln, als zum ausgiebigen Schmökern verleitet, kann ich pauschal auch zu Arial oder einer nahen Verwandten raten. Für längere Artikel ist eine Serifenschriftart aber durchaus praktisch. Das fanden auch die Macher des meiner Meinung nach sehr gelungenen Redesigns von Zeit.de.
Fazit des Tests war: Objektiv gibt es keine allgemein bessere Schriftart. Subjektiv empfand die überwältigende Mehrheit die serifenlose Verdana für die meisten Zwecke besser lesbar, als die serife Times.
Lediglich in wenigen Gebieten, wie z.B. Politik, wo Seriosität gefragt ist, konnten die Serifen punkten.
Vermutlich, weil man in Zeitungen und den Online-Auftritten dieser schon immer viel Serife genutzt werden und man sich einfach wohler fühlt, wenn eine, wenn auch meist unbewusste, Erwartung bestätigt wird.
Möchte man mit seiner Website über die Schriftart Aufmerksamkeit erregen, kann es psychologisch sinnvoll sein, als Tech-Magazin, wo ich sonst die technisch-geradlinig anmutende Arial vermute, mal auf Georgia zu setzen und diese, wie auch der Autor des Gastartikels empfiehlt, mit einer Grotesken zu kontrastieren. Wäre das unglaubwürdig?
Zuletzt noch ein praktischer Link, zu einer Übersicht von web safe fonts. Ansonsten gibt’s natürlich auch WebEmbedded fonts, wie z.B. OpenType oder TrueDoc, die aber auch nicht ohne Kompatiblitätsprobleme daherkommen.
Update: Im Smashingmagazine gibt es einen schönen Überblick über Font-Replacement Methoden: Rich Typography On The Web: Techniques and Tools